Das fotografische 1 Mal 1 – Die Blende

Das fotografische 1 Mal 1 – Die Blende

1. April 2014 0 Von Lassito
Geschätzte Lesezeit: 6 minutes

Im 1. Teil sprachen wir von der „besten“ Kamera. Ich hoffe ihr habt damit schon mal einen Anfang gefunden und euch Gedanken darüber gemacht, welche Kamera in Frage kommt?

Um an die eventuell schon gekaufte Kamera einen Anschluss zu finden, machen wir mit Teil 2 weiter.

In diesem Teil widmen wir uns einzig allein der Blende.

Die Blende ist ein wichtiger Bestandteil der Fotografie. Sie beeinflusst so manches Foto, ohne dass ihr es beim Draufschauen bemerken würdet. Deshalb ist es für den Fotografen wichtig, deren Auswirkungen kenne zu lernen.

Vorab aber müssen wir über Grundsätzliches sprechen.

Grundsätzliches:

Die Blende ist einstellbare Größe an Kameras, die den Lichteinlass bis zum Sensor regelt. Zuerst aber muss das Licht durch das optische System, d.h. durch euer Objektiv. Die Blende ist normalerweise als Lamellenblende (Irisblende). Im Detail bedeutet das kreisförmig angeordnete Lamellen, die sich so ineinander verschieben lassen, dass die Öffnung größer oder kleiner wird.  Die Blende wirkt hier nur als Appartureblende (deshalb auch bei der Kamera am Einstellrad A für Apparture=Blendenautomatik). Die Wahl der Blende beeinflusst neben der Belichtungszeit natürlich auch die Schärfentiefe, auf die wir noch genauer eingehen werden.  Grundsätzlich gibt die Blendenzahl das Verhältnis von Brennweite zur Blendenöffnungsweite an.

Blendenzahl:

Wie im letzten Satz angemerkt wird die Blende als Blendenzahl angegeben. Die Blendenzahl ergibt sich aus dem Verhältnis der Brennweite zur Öffnungsweite des Objektivs.

Wie lichtstark ein Objektiv ist, gibt der Kehrwert der kleinsten Blendenzahl an. Diese Zahl wird mit f, wie etwa f/2.0 angegeben.

Je größer diese Zahl ist desto lichtschwächer ist das Objektiv, was wiederum bedeutet, dass es zu einem geringeren Lichteinfall kommt und daraus wieder andere Faktoren entstehen.

Das komische bei der Blende ist die Zahl. Je kleiner die Zahl, 3.5, desto weiter ist das „Loch“ offen. Je größer die Zahl z.B. Blende 22 desto kleiner ist das „Loch“.

Doch wie ändere ich die Blende? Diese kann ich eventuell mechanisch oder elektrisch über die Steuerung der Kamera oder des Objektivs ändern.

Es gibt aber auch Objektive speziell für Filmer. Bei diesen wird die Blende als T-Stop, Transmission Stop angegeben.

smartcamnews.eu - das blendenrad am objektiv

smartcamnews.eu – das blendenrad am objektiv

Doch auf welche Faktoren nimmt die Blende Einfluss?

  • Belichtungszeit

  • Schärfentiefe

Als erstes widmen wir uns der Belichtungszeit.

Belichtungszeit:

Wie wir gehört haben wird die Blendenzahl in f/…. angegeben. Haben wir z.B. ein Objektiv, nehmen wir ein Tamron 18-200 so steht für die Blende z.B. f/3.5-6.3. Dies bedeutet, dass das Objektiv als größtmögliche Offenblende die Blende 3.5 hat. Diese Blende schafft das Objektiv aber nur bei 18mm Brennweite. Dreht man das Objektiv ca. 10fach hinaus, so ist als Offenblende nur noch bestenfalls 6.3 möglich.

Genau aus diesem Grund muss die Kamera den etwas mageren Lichteinfall durch die Belichtungszeit wieder gutmachen. Hat man z.B. bei einer Blende von 3.5 eine Zeit von 1/250 dann kann es bei 6.3 durchaus  1 Sekunde sein, da weniger Licht durch die Öffnung kommt.

Bei einer Blende von 5.6 trifft vier Mal weniger Licht durch als bei Blende 2.8. Es rentiert sich deshalb schon für ein gutes lichtstarkes Objektiv ein wenig Geld auszugeben. Meist sind Festbrennweiten wie z.B. das Nikon AF-D 50mm mit 1:1.8 sehr lichtstark.

Die meisten guten Kameras beherrschen die sogenannte  Blendenautomatik (S oder Tv). Bei dieser gibt man die Belichtungszeit vor und die Kamera wählt die passende Blende, sodass das Bild weder über-, noch unterbelichtet wird. Als Alternative gibt es die Zeitautomatik (A oder Av) bei der die Blende vorgegeben wird und die Kamera die passende Belichtungszeit wählt. Will man Beides nicht so muss man mit dem manuellen Modus (M)  alles selbst eingeben bzw. einstellen.

Schärfentiefe:

Die Schärfentiefe ist ein wunderbares Gestaltungsmittel der Fotografie.

Man würde am Anfang seiner Fotografie Karriere nie glauben, wie sich die Blende auf die Schärfentiefe auswirken würde.

Je größer die Blendenzahl desto kleiner die Öffnung, sodass die Lichtmenge, die auf den Sensor, trifft geringer wird. Auch die Unschärfekreise werden durch den spitzeren Lichtkegel kleiner.

Das heißt also:

Je größer die Blendenzahl (z.B. 22) ist, desto weiter ist die Schärfentiefe.

Je kleiner die Blendenzahl (z.B. 2.8) ist, desto enger ist die Schärfentiefe.

Bei manchen SLR Kameras gibt es eine Abblendtaste die zulässt die Schärfentiefe zu kontrollieren (z.B. Nikon D7000, D7100 usw.)

Zur besseren Darstellung seht ihr in der folgenden Galerie mit verschiedenen Aufnahmen. Beginnend mit der Blende 1.8, 2, 2.5, 4, 6.3, 8 und 22.

Die Blende - Schärfentiefe

Geschätzte Lesezeit: 6 minutes

Darstellung der Einflussnahme der Blende auf die Schärfentiefe.

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Blende 1.8
Blende 1.8
Blende 2
Blende 2
Blende 2.5
Blende 2.5
Blende 4
Blende 4
Blende 6.3
Blende 6.3
Blende 8
Blende 8
Blende 22
Blende 22

Was ist nun eine gute Blende?

Wie wir gehört haben nimmt die Schärfentiefe mit einer großen Blendenzahl zu (f22). Es kann aber auch vorkommen dass insbesondere z.B. bei Makroaufnahmen eine Beugungsunschärfe auftritt. Dies tritt durch das Abblenden, die Wahl einer kleinen Blendenöffnung, auf.

Es ist daher wichtig, einen Mittelweg zwischen Schärfentiefe und Beugungsunschärfe zu finden. Hat man diesen Kompromiss gefunden, spricht man von der optimalen Blende. Für uns ist das z.B. eine Blende von 8.

Und was ist eine kritische Blende?

Ein Objektiv zeigt bei einer offenen Blende, kleinste mögliche Blendenzahl z.B. 1.8, das größte Auflösungsvermögen. Die Beugungsunschärfe ist hier am geringsten.

Doch ist es so, dass bei fast allen Objektiven bei einer Offenblende die Abbildungsfehler am größten sind. Deshalb heißt es Abblenden d.h. eine größere Blendenanzahl zu wählen. Meistens blendet man um 2 Stufen ab.

Wiederum bedeutet dies, dass das Auflösungsvermögen sinkt.

So gilt, dass bei den meisten gängigen Objektiven die kritische Blende bei mittleren Blendenwerten von 5.6 bis 8 liegt.

Wie ihr erkennen könnt, ist die Blende ein Thema, das man nicht unterschätzen darf oder soll. Es ist wichtig, den Grund einer Blende bzw. dessen Möglichkeit zu erkennen, um das auf den Sensor zu bekommen was man will.

Solltet ihr Fragen zur Blende haben, dann scheut euch nicht davor in den Kommentaren zu fragen. Wir werden versuchen, euch beim Fotografieren zu helfen.

Zum Abschluss noch ein Video von Tom Goodlight, einem Freund von unserem Team!

YouTube Preview Image

Im nächsten Teil, sprich Teil 3, beschäftigen wir uns mit der Zeit und der ISO.

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